Die sieben Wege zum Glück
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Die sieben Wege zum Glück

Ihr Schicksal bestimmen Sie selbst. Wie? Philosophen, Religionsstifter und Weise haben die Gesetze des Glücks längst formuliert. Neueste Forschungen haben ihre Lebensweisheiten bestätigt. Hier erfahren Sie, wie man dieses Wissen für seinen Alltag nutzt. Und damit viel glücklicher werden kann.

Wenn das Pech die anderen trifft – das ist Glück, schrieb der griechische Dichter Horaz. Was ist Glück?, grübelte Theodor Fontane und antwortete bescheiden: Dass man gut geschlafen hat und dass einen die neuen Schuhe nicht drücken. Das ist wahr. Und so schlicht die beiden Sätze klingen, sie treffen tatsächlich die Essenz: Glück ist Freiheit vom Leiden, ein Zustand von Leichtigkeit, Energie und innerem Frieden. Ist so ein Zustand erreichbar, nicht nur für ein paar Sekunden, sondern für längere Zeit, gar auf Dauer? Ja, das ist er. Die größten Heiligen, Philosophen und Dichter waren und sind dieser Ansicht. Ihre Erkenntnisse können wir nutzen. Denn die moderne Glücksforschung, die an US-Universitäten emsig betrieben wird, bestätigt jetzt die alten Meister und übersetzt sie in unsere Sprache.

Es ist verblüffend. Mit aller Sorgfalt der Wissenschaftler, mit physiologischen Untersuchungen, elektromagnetischen Messungen, psychologischen Tests kommt genau das heraus, was die Mystiker des Ostens, die Denker des Westens, die Religionsstifter und spirituellen Lehrer schon vor vielen Jahren gesagt haben.
Ist wohl auch kein Wunder. Im Grunde haben sie nämlich alle das Gleiche gesagt. Sie benutzten verschiedene Sprachen, ihre Einsichten aber waren dieselben. Fassen wir zusammen, worin nach Auskunft alter Weiser und nach Erkenntnissen moderner Forscher die Gesetzmäßigkeiten des Glücks bestehen – und was sich daraus lernen lässt. Wir beschreiben, beginnend mit dieser Folge, die sieben Gesetze des Glücks.

Die sieben Gesetze im Überblick
1. Alles im Leben ist ein Spiegel

2. Niemand ist ein Opfer
3. Was man glaubt, wird wahr
4. Jeder bekommt, was ihm entspricht
5. Ändern kannst nur du dich selbst
6. Alles ist eine Übung
7. Das Glück ist jetzt

Gesetz: Alles im Leben ist ein Spiegel
Ich habe immer nur mich selbst gemalt, behauptete der Impressionist Paul Cézanne. War er selbstverliebt, ein Narziss? Nein, jedenfalls nicht auf den ersten Blick. Es gibt nämlich kaum Selbstporträts, nur Stilleben und Landschaften. Vor allem immer wieder die Ansicht eines Berges in der Provence, des Mont Ste Victoire. Der Berg im Abendlicht, am Morgen, bei Regen, Sonne, im Winter, von Osten, Süden, Westen. Der Berg, das bin ich, erklärte der Maler gegen Ende seines Lebens. Aber wie er wirklich aussieht, weiß ich bis heute nicht. Ich habe immer nur mich selbst in ihn hineingemalt. Sein Nachbar und Malerfreund Henri Matisse sagte: Dann wird wohl auch kein Betrachter je wirklich deine Bilder kennen. Jeder wird nur sich selbst in ihnen sehen. Klingt spitzfindig, ist aber wahr. Jeder sieht im anderen nur, was er hineinprojiziert.
Ein verräterisches Selbstporträt
Der britische Kunsthistoriker Sir Ernst Gombrich hat mit Psychologen der London University ein ungewöhnliches Experiment unternommen. 100 Erstsemester-Studenten sollten auf einem Fragebogen ein Bild von William Turner beschreiben, nicht nur Farben und Motiv, sondern auch, was ihnen daran gefiel und was nicht. Die Bögen wurden eingesammelt. Im folgenden Semester, die Studenten hatten die Bildbetrachtung längst vergessen, wurden sie abermals gebeten – diesmal aber darum, zwei Personen ihrer Wahl zu beschreiben, eine sympathische und eine unsympathische, natürlich ohne Namen. Danach machte sich Psychologie-Professorin Brenda Lawson an die Arbeit. Als erstes fand sie heraus: Fast jeder Student hatte die Malerei mit ganz ähnlichen Worten beschrieben wie die Personen. Ja, jeder hatte in

  1. Turners Gemälde dasselbe entdeckt oder hineingelegt, was er auch in lebenden Gefährten sah.
    Zufall? Bestimmt nicht. Denn nun kam die Umkehrung.
    Die Psychologin nahm die Schilderungen der sympathischen und unsympathischen Zeitgenossen und fasste sie in einer einzigen Charakterbeschreibung mit guten und schlechten Zügen zusammen. Diese Charakteristik gab sie den Studenten zurück. Wir haben Sie drei Semester lang beobachtet, erklärte sie. Hier ist das Ergebnis. Finden Sie sich einigermaßen richtig beschrieben?

    Das Echo war enorm. Über 80 Prozent der Studenten staunten, wie genau sie getroffen und wie leicht sie durchschaut worden waren. Der Irrtum: Keiner hatte sie beobachtet, geschweige durchschaut. Sie lasen nur, was sie selbst über einen lieben und einen unsympathischen Menschen geschrieben hatten. Diese Worte, auf sie selbst bezogen, offenbarten ihre angenehmen und weniger angenehmen Seiten.
    Lächle in die Welt und die Welt lächelt zurück
    Die Menschen, die uns auffallen, sind der beste Spiegel, um uns selbst zu erkennen, auch wenn wir das nicht immer wahrhaben wollen, sagt die Psychologin Lawson. Alle Menschen, die uns auffallen, sagen etwas über uns selbst aus? Auch die umständliche Kassiererin im Supermarkt? Der rücksichtslose Autofahrer? Das Scheusal, das ein Haus weiter wohnt?
    Wir akzeptieren das Sprichwort Sage mir, mit wem du umgehst, und ich sage dir, wer du bist. In nahen Freunden uns selbst zu erkennen, das ist nicht allzu schwierig. Ihre guten Eigenschaften uns selbst zuzuschreiben ist sogar äußerst angenehm. Aber dass auch derjenige, der uns schwer auf die Nerven geht, etwas von uns widerspiegelt – das ist kaum akzeptabel. Und doch verbirgt sich darin ein psychologisches Gesetz, genau genommen viel mehr als das, meint die Amerikanerin Byron Katie: Darin liegt ein Schlüssel zur Erfüllung, zum Glück. Die Spiegel-Methode der Byron Katie hält zurzeit weltweit Einzug in der Therapie. In den USA macht sie im Management-Training Furore. Die kalifornische Psychologin hat zum System entwickelt, was seit Jahrhunderten an Spruchweisheiten von Dichtern und Denkern überliefert ist. Etwa Albert Einsteins Einsicht: Lächle in die Welt, und die Welt lächelt zurück.

Der Weg zum inneren Frieden
Wir kennen diese Theorie der seelischen Relativität aus der Praxis: Mit schlechter Laune in den Bus gestiegen, und lauter muffige oder falsch lächelnde Gesichter blicken zurück. Mit strahlender Laune eingestiegen, und wir sehen das Glück in jedem, spüren sogar die Kraft, die anderen zu verwandeln. Wir können nur das bewirken, was wir in uns selbst bewirkt haben, erklärt der Dalai Lama. Was unter anderem bedeutet: Wer in sich selbst nicht Frieden gemacht hat, wird auch nicht Frieden in die Welt tragen können. Wer in sich selbst keine Ordnung geschaffen hat, kann sich über Komplikationen in seinem Leben nicht wundern. Und umgekehrt: Wer in sich selbst Ordnung und Frieden schafft, dem ordnet sich das Leben wie von selbst zum Frieden.

Wünschst du, dass andere dir glauben, musst du lernen, dir selbst zu glauben, lehrte der chinesische Philosoph Laotse. Wünschst du, dass andere dich achten, lerne dich selbst zu achten. Wenn die anderen uns nicht achten, bedeutet das nur: Wir selbst achten uns nicht, halten uns für untauglich und ungenügend. Die anderen spiegeln das nur. Was immer du anderen gibst, das gibst du dir, meinte Mutter Teresa. Wer anderen Liebe erweist, tut sich selbst etwas Gutes. Wer andere schlecht behandelt, verletzt sich selbst, auch wenn er es nicht bemerkt. Die Ordensfrau hatte lediglich aus der Bibel zitiert: Was du deinem Nächsten tust, tust du dir selbst, steht da; und was du über deinen Nächsten sagst, das sagst du über dich selbst.

Wer ohne Schuld ist, hebe den ersten Stein
Berühmt ist auch der in der Bibel überlieferte Fall einer Ehebrecherin. Jesus kommt hinzu, als sich fanatische Moralisten zusammenrotten, um die Frau zu steinigen. Wer von euch ohne Schuld ist, der hebe den ersten Stein, ruft er und wendet so die Bluttat ab.
Wenn wir uns selber schuldig fühlen, projizieren wir unser Schuldgefühl nach außen. Ständig. Wir empören uns, wenn ein Politiker Geld am Finanzamt vorbeimanövriert. Wir entrüsten uns, wenn andere intolerant sind. Schimpfen, wenn andere aggressiv sind. Unsere Kommentare zu den Fernsehnachrichten sind eine blendende Sammlung von Aussagen über unser Innenleben. Und automatisch heben wir den ersten Stein. Wir wollen unser Spiegelbild zertrümmern. Denn zumindest anfangs ist es unangenehm, die Urteile, die wir über andere fällen, auf uns selbst anzuwenden. Wenn du etwas am Splitter im Auge des anderen auszusetzen hast, so bedeutet das, dass du selbst einen dicken Splitter im Auge hast, sagte sinngemäß ein jüdischer Weiser vor 2000 Jahren. Wenn wir jemanden neidisch finden, ist das ein Zeichen dafür, dass wir selbst eine gute Portion Neid in uns haben. Wenn wir jemanden aggressiv nennen, sagen wir damit etwas über unsere Aggressivität, die wir vielleicht nicht ausleben, aber die in uns rumort und Unheil stiftet. Was immer wir über andere sagen, sagen wir über uns selbst, urteilte kurz und bündig der Tiefenpsychologe C. G. Jung.
Und was heißt das? Dass wir nur noch nett und fromm reden sollen? Nein, im Gegenteil, rät die Glücksforscherin Byron Katie. Halten Sie sich nicht zurück, urteilen Sie hart. Aber dann untersuchen Sie Ihr Urteil und wenden Sie es auf sich selbst an. Das ist der Weg zum inneren Frieden.

Wir sehen nur, was wir empfinden
Die Kasseler Psychotherapeutin Estera Holtmannspötter bestätigt es. Sie ist in der Ausbildung von Pfarrern tätig. Sie hat einen Spruch des Propheten Mohammed ernst genommen: Sogar an Gott kann man Fehler finden. Aber wo liegt der Fehler? In dem, der ihn findet. Gott ist ungerecht? Gott lässt Leid zu? Wer ist ungerecht? Wer lässt Leid zu? Das Spiel, das sich die Therapeutin ausgedacht hat, kann jeder spielen. Man nimmt ein Blatt Papier und beantwortet folgende Fragen. Erstens: Gott ist ... Hier sollen wir nicht die Bibel oder den Pastor zitieren, sondern schreiben, wie wir selbst Gott empfinden. Etwa: Gott ist fern, verbirgt sich hinter Wolken, ist schwer erreichbar.
Nächste Frage: Gott belohnt mich dafür, dass ich ... Hier notieren wir, was wir für unsere guten Taten halten. Weiter: Gott bestraft mich dafür, dass ich ... Hier zählen wir auf, was wir für unsere Sünden halten. Schließlich: Gott bestraft mich, indem er ... Hier schreiben wir, was wir in unserem Leben als Strafe empfinden. Fertig. Nun wird das Wort Gott gestrichen und jedes Mal das Wort Ich eingesetzt: Ich bin fern, verberge mich, bleibe wolkig, bin schwer erreichbar. Ich selbst belohne mich. Und ich selbst bestrafe mich, etwa indem ich mich verletze, indem ich mich mit jemandem überwerfe, indem ich schlaflos liege.
Was Gott wirklich ist und tut, wissen wir nicht, sagt Frau Holtmannspötter. Sicher ist nur: Wir benutzen ihn als Projektionsfläche. Unser Verstand formt sich sein Bild nach unseren eigenen Eigenschaften. Das Bild ist unser Spiegelbild. Denn wir sehen nicht einfach, was da ist. Wir interpretieren mit jedem Blick. Wir beziehen alles auf uns selbst. Deuten alles nach unserem Vermögen, Verstand, unseren Gefühlen. Was uns begegnet, ist immer das, was wir an Zustimmung oder Ablehnung hineinlegen. Wir erleben nie objektiv. Wir sehen ständig in den Spiegel. Nicht was wir erleben, sondern wie wir es empfinden, macht unser Schicksal aus, erkannte Sokrates. Nimm es als Vergnügen, und es ist ein Vergnügen, nimm es als Qual, und es ist eine Qual.

  1. Gesetz: Niemand ist ein Opfer
    Wer ist schuld, wenn es uns nicht gut geht und wir nicht glücklich sind? Oft suchen wir die Verantwortung bei anderen. Dabei stehen wir dem eigenen Schicksal nur selbst im Weg, lähmen uns oder lassen Chancen aus. Wir können lernen, wie wir von der passiven zur aktiven Gestaltung unseres Lebens kommen. Das ist der Schlüssel zu mehr Zufriedenheit auch im Alltag

    Zwei Fragen hatte Ed Diener von der University of Illinois. Erstens: Wer, glauben Sie, ist schuld daran, wenn Ihr Leben nicht so verlaufen ist, wie Sie es sich vorgestellt haben? Zweitens: An wem liegt es im Alltag am häufigsten, wenn Sie unzufrieden sind? Um Antwort bat der Psychologieprofessor über 10000 Menschen. Die Fragen gehörten zu einem psychologischen Test, in dem es in Wahrheit nicht um Ursachenforschung ging, sondern um Glücksfähigkeit.

Schuld sind immer die anderen?
Machen Sie das kleine Spiel mit Verwandten und Freunden, empfiehlt Diener. Sie werden zu demselben Ergebnis kommen wie wir. Und wie lautet das Ergebnis? Wem wird es zugeschrieben, wenn das Leben nicht wunschgemäß verläuft? Die häufigsten Nennungen: Eltern, Gesellschaft, Trennung, übelwollende Partner. Und wer vermasselt uns am häufigsten den Alltag? Antworten: Partner, Chef, Verwandte, Nachbarn, Regierung. Das können wir nachvollziehen. Die Schwiegermutter hat uns das Wochenende verdorben. Hätten unsere Eltern uns mehr gefördert, wären wir jetzt erfolgreicher. Das glauben wir gern.
Aber das entscheidende Ergebnis der Untersuchung zielt tiefer. Je öfter wir so denken, fanden die Psychologen heraus, desto unglücklicher werden wir. Wer die Verantwortung bei anderen als sich selbst sucht, hat keine Chance, glücklich zu werden. Denn nicht diejenigen, die viel Pech haben, sind unglücklich, sondern diejenigen, die besonders lange und plausible Erklärungen dafür suchen, sagt Professor Diener. Es gibt Leute, die extrem von Schicksalsschlägen gebeutelt sind, und dabei machen sie doch einen heiteren und zuversichtlichen Eindruck. Warum? Weil sie nicht mit der Vergangenheit hadern. Sie fühlen sich nicht als Opfer, sondern als Gestalter ihres Lebens.

In der Krise liegt die Chance
Das Leben gestalten, nach vorn sehen, nach Niederlagen aufstehen – ist das nicht eine angeborene Gabe? Nein, meinen die Psychologen, das ist eine Denkgewohnheit. Und Gewohnheiten lassen sich ändern. Sogar dann, wenn sie so tief verankert sind wie die Einstellungen ganzer Gesellschaften. Als die Unesco vor vier Jahren die Bürger in 70 Ländern nach ihrem Glücksgefühl fragte, landeten die Deutschen auf Platz 68, nur knapp vor den armen Bulgaren und den vom Krieg heimgesuchten Äthiopiern. Dagegen führten Venezuela, Nigeria und Island die Rangliste an. Ist es so schwer, in Deutschland glücklich zu sein? An den materiellen Voraussetzungen gemessen, ist es leichter als irgendwo sonst, sagt der Konstanzer Glücksforscher Alfred Bellebaum. Die notorische Verdrossenheit hat historische Gründe. Tatsache ist, dass die Leute sich hier besonders benachteiligt wähnen und sich als Opfer unbeeinflussbarer Entscheidungen fühlen. Es ist gar nicht wichtig, wo die Gründe liegen. Jeder einzelne kann sich davon befreien.
Der entscheidende Dreh im Leben kommt, wenn wir aufhören, uns selbst zu bemitleiden, erklärt die kalifornische Motivationstrainerin Byron Katie. Wenn wir begreifen, dass alles, was uns passiert, ein Kick für unsere Entwicklung ist. Dann kriegen wir Energie. Wenn wir sehen, dass jedes Ereignis einen Sinn für uns hat. Dann brauchen wir uns nicht länger in der Opferrolle zu verstecken. Dann können wir jedes Erlebnis annehmen, ohne jemanden verantwortlich zu machen. Dann wird alles, was uns passiert, zu einem Anstoß für unsere Entwicklung.

Der Schicksalsschlag als Wendepunkt
Hört sich gut an. Aber denken wir uns den Härtefall: Wir radeln eine Straße entlang, werden über den Haufen gefahren, sind schwer verletzt, gezeichnet fürs Leben. Sind wir kein Opfer? In der Verkehrsstatistik tauchen Sie als Opfer auf, bestätigt Byron Katie. Und im ersten Augenblick werden Sie sich so fühlen. Aber ob Sie Opfer bleiben, hängt davon ab, was Sie daraus machen. Wie Sie Ihr Leben verwandeln. Ihr innerer Friede und Ihr Glück hängen davon ab, ob Sie selbst Verantwortung für die Ereignisse übernehmen. Und vielleicht gelangen Sie gerade durch den Unfall zu dem, was Ihnen eigentlich wichtig ist.
Dafür spricht die berühmte Untersuchung des Psychologen Andrew Oswald von der englischen Warwick University, der zufolge Schicksalsschläge von Betroffenen im Rückblick häufig als positive Wendepunkte im Leben gewertet werden (82%). Oswald: Wer in eine schwere Krise gerät, merkt, worauf es wirklich ankommt, und stellt die Weichen neu. Viele kommen dann aus der duldenden, passiven Rolle heraus in die Aktivität, die Selbstbestimmung. Es braucht dafür keine fatalen Ereignisse. Wir haben es auch so schon gemerkt: Es lähmt, sich als Opfer der Erziehung zu fühlen, von Launen des Partners oder des Schicksals. Grollen Sie, aber grollen Sie nie lange, rät Ed Diener. Fragen Sie: Wozu ist das gut? Wie kann ich das Problem lösen? Je mehr Sie lernen, die Ereignisse des Lebens als Angebote zu sehen, desto glücklicher werden Sie.

  1. Gesetz: Was man glaubt, wird wahr
    Alle unsere Wünsche gehen in Erfüllung, behaupten die Glücksforscher. Doch es gibt viele Menschen, die sich vergebens nach Reichtum, Glück und Liebe sehnen. Der Grund: Nur die unbewussten Wünsche wirken. Es gibt Methoden, wie man sie erkennt und verändert

    War es ein makabrer Witz? Geistige Verwirrung? Tiefe Erkenntnis? Alle meine Wünsche sind in Erfüllung gegangen, sagte Jerome Robbins am Ende seines Lebens. Schön für ihn, gewiss. Nur: Als er das sagte, war er 27 Jahre alt und saß gerade auf dem elektrischen Stuhl, zum Tode verurteilt wegen Raubmordes. Und er wurde hingerichtet. Die sonderbaren letzten Worte brachten ihm einen kleinen Aufschub. Der Gefängnis-Psychologe wollte ihn noch nach der Bedeutung des Satzes befragen. Das war 1987. Martin Seligman, der Psychologe von damals, ist heute ein angesehener Experte für das Thema Wünsche. Unsere Wünsche gehen alle in Erfüllung, sagt er. Wir wissen meist nur nicht, welche Wünsche wir haben.

Das unbewusste Programm
Kandidat Robbins hatte in seiner letzten Stunde erkannt, welche Wünsche ihn bewegt hatten: die Sehnsucht nach Bestrafung. Ungewöhnlich? Nein, meint Seligman. Wir alle mögen uns oberflächlich nach Liebe, Geld, Gesundheit sehnen. Aber unbewusst läuft ein anderes Programm ab. Da wünschen wir uns Reichtum, glauben aber im Innersten, dass Reichtum hartherzig macht. Wünschen uns Liebe, glauben jedoch, dass wir sie nicht verdient haben. Wünschen uns Gesundheit, sind aber überzeugt, dass eine Krankheit uns eher Zuwendung bringt. Nicht unsere bewussten Wünsche treffen ein, sondern unsere unbewussten, erklärt Seligman. Uns steuern Überzeugungen und Glaubenssätze, über die wir uns kaum im Klaren sind.
Er ist nicht der erste, der das erkannt hat. Der renommierte Familientherapeut Bert Hellinger fand heraus, dass sich Kinder aus Liebe zu ihren Eltern oft selbst sabotieren. Da wünscht sich ein Sohn eine große Karriere, glaubt aber, er dürfe nicht erfolgreicher werden als sein Vater. Hellinger: Wenn er das erlaubte Maß des Erfolges überschritten hat, sorgt er unbewusst für den Karriereknick. Er mag glauben, er habe Pech gehabt. In Wahrheit hat er es so gewollt. Oder eine Tochter glaubt, sie dürfe in der Partnerschaft nicht glücklicher werden als die Mutter. Weil Mutter geschieden wurde, lebt auch die Tochter unbewusst auf eine Scheidung hin.

Glücklich durch Dankbarkeit
Eine weit verbreitete unbewusste Überzeugung besteht nach Erkenntnis der Therapeutin Ulrike Dahm darin, wir dürften nicht zugleich beruflich und privat glücklich sein. Die Folge: Wird der berufliche Erfolg erreicht, ruinieren wir die Beziehung. Sind wir privat glücklich, sorgen wir unbewusst für eine berufliche Schieflage. Die Dinge passieren nicht, wie wir sie wollen, sondern wie wir sie glauben, sagt Ulrike Dahm.
Wie können wir die unbewussten Wünsche entdecken? Zunächst, rät die Therapeutin, indem wir uns über unsere Wünsche klar werden und sie aufschreiben. Das Aufschreiben ist wichtig, sagt sie. Dadurch kristallisieren sich nicht nur unsere Wünsche heraus, auch die Negativprogramme melden sich. Etwa wenn wir Wünsche gleich wieder verwerfen (Du verdienst es nicht). Oder wenn wir befürchten, wir müssten zu viel dafür tun (Das gelingt ja doch nicht). Erst wenn wir uns vorstellen können, wie der Wunsch in Erfüllung geht, wenn wir dieErfüllung körperlich spüren können, erst dann sind Unbewusstes und Bewusstsein im Einklang, sagt Ulrike Dahm. Und dann hat der Wunsch tatsächlich beste Chancen auf Erfüllung, weil auch das Unterbewusstsein für ihn arbeitet. Und das Unterbewusstsein ist die stärkste Kraft.
Ihr Kollege Niklaus Enkelmann rät zum Training der Dankbarkeit. Schreiben Sie abends auf, wofür Sie an diesem Tag dankbar sein konnten. So trainieren Sie Ihren Blick für die erfreulichen Dinge. Sie sehen, wie viele Ihrer Wünsche in Erfüllung gehen, und werden immer fröhlicher. Das Glück wohnt bei den Dankbaren.

  1. Gesetz: Jeder bekommt, was ihm entspricht
    Von Glück ist die Rede, wenn uns scheinbar unverhofft ein Gewinn in den Schoß fällt. Pech nennen wir, wenn wir ohne auf Anhieb erkennbaren Grund eine Panne nach der anderen erleben. Doch Forscher fanden heraus, dass unsere innere Einstellung maßgeblich zu dem beiträgt, was mit uns geschieht. Wenn wir das erkennen, können wir unser Glück selbst gestalten, in der Beziehung wie im Job

    Keiner wird im Leben eine Erfahrung machen, die nicht für ihn bestimmt ist, lautet eine arabische Weisheit. Jedes Ereignis erscheint in dem Augenblick, wenn du bereit dafür bist, sprach Buddha. Der Seelenforscher C. G. Jung sagte: Was einem Menschen widerfährt, und wann es ihm widerfährt, ist charakteristisch für ihn.
    Was uns begegnet, entspricht uns? Wir bekommen, was wir verdienen und was wir brauchen? Stimmt das wirklich? Bei angenehmen Überraschungen stimmen wir zu: Ja, dass wir im Preisausschreiben gewinnen, ist uns angemessen. Dass unsere Aktien steigen, haben wir verdient. Bei unangenehmen Ereignissen ist uns der Zusammenhang weniger einleuchtend. Etwa, wenn wir als Einzige aus der Reisegruppe auf dem Markusplatz in Venedig bestohlen werden. Oder wenn wir bei einem Seitensprung ertappt werden.

    Shirley MacLaine erzählt aus ihrer früheren Ehe diese Geschichte: Sie betrog ihren Mann. Den Liebhaber traf sie in einer anderen Stadt im Hotel. Was sie nicht ahnte: Im Nebenzimmer übernachtete ihre schwatzhafte Nachbarin. Die lauschte neugierig und rief den Ehemann an Pech? Nein, sagt der amerikanische Glücksforscher Professor David Myers, der dieses Beispiel zitiert: Schuldbewusstsein schuf den vermeintlichen Zufall. Die Gefühle holen sich die entsprechenden Ereignisse, um ausgelebt zu werden und um sich zu bestätigen. Das schlechte Gewissen zog die Entlarvung an. In Buddhas Worten: Weil Shirley bereit war, entdeckt zu werden, trat das Ereignis ein. Natürlich war sie sich dessen nicht bewusst. Doch etwas in ihrem Inneren wollte die Entlarvung. Und wenn sie nach innen gelauscht hätte, hätte sie das bemerkt und vorher bereinigen können.

Jedes Problem sagt etwas über uns aus
David Myers von der University of Michigan hat sich dem Thema systematisch genähert. Im Laufe der Jahre untersuchte er tausende Klienten tiefenpsychologisch. In jedem äußeren Problem zeigt sich etwas, das in uns selbst abläuft, sagt er. Es gibt eine direkte Verbindung zwischen der Art, wie wir uns behandeln, und wie andere uns behandeln. Der Forscher rät, nicht nur erfreuliche Ereignisse auf der Haben-Seite zu verbuchen, sondern auch die
unerfreulichen als Chance anzunehmen. Sie sind ein Geschenk, weil sie uns mehr Klarheit bringen. Wirklich? Der Chef kündigt uns. Das soll ein Geschenk sein? Myers: Wenn Ihnen gekündigt wird, und Sie sind ehrlich, werden Sie feststellen, dass Sie mit dem Job unzufrieden waren. Im Grunde wollten Sie selbst kündigen, haben sich aber vor der Ungewissheit gefürchtet. Und nun ist es da, das Ereignis, das unserer inneren Haltung entspricht. Was jetzt? Myers: Es gibt zwei Möglichkeiten. Sie sehen es als Problem und hadern mit dem Schicksal. Oder Sie sehen es als Chance und nehmen Ihr Schicksal in die Hand. Die zweite Variante führt zum Glück. Und nur auf den ersten Blick ist dafür eine Anstrengung nötig. In Wahrheit fließt Ihnen Energie zu, sobald Sie sich dafür entscheiden.

"Turn shit into fertilizer"
Myers hat das Gesetz, dass jeder bekommt, was ihm entspricht, vor allem im Zusammenhang mit Beziehungen untersucht. Da ist die Frau, die sich immer wieder leidenschaftlich verliebt. Aber stets gilt ihr Begehren einem Mann, der nichts für sie übrig hat. Bekommt sie, was ihr entspricht? Ja, meint Myers, denn diese Frau weist sich selbst zurück. Sie glaubt: Mit einem Mann, der mich begehrt, kann etwas nicht stimmen. Oder die Frau, die eine dauerhafte Beziehung wünscht, jedoch niemanden findet, der sich auf eine Beziehung einlassen will. Wir haben bei diesen Frauen fast immer die Haltung gefunden: Ich selbst habe Angst davor, mich auf eine Partnerschaft einzulassen. Diese kaum bewusste Angst sorgt dafür, dass die Partnerschaft schon früh untergraben wird. Jedes Ereignis trifft simultan mit einem psychischen Zustand ein, schrieb C. G. Jung. Er nannte diese Entsprechung von äußerem Geschehen und innerer Haltung Synchronizität. Das bedeutet: Hinter jedem Ereignis, jedem Zufall verbirgt sich der uneingestandene Wille oder die Bereitschaft, dieses Ereignis auf sich zu ziehen. Der erste Schritt ist es, diesen Zusammenhang bei sich selbst zu akzeptieren, sagt die Osnabrücker Tiefenpsychologin Dr. Elisabeth Mardorf. Der zweite Schritt besteht darin, diese Erkenntnis zu nutzen. Das lohnt sich. Denn unangenehme Ereignisse entsprechen stets ungeklärten Haltungen in uns selbst. Und in ihrer Tendenz wiederholen sie sich so lange, bis wir unsere inneren Konflikte geklärt haben.

Wir haben einen autoritären Chef und kommen damit nicht klar. Wir wechseln die Stellung. Und stehen bald vor demselben Problem. Das wird sich erst bessern, wenn wir uns mit unserem eigenen Machtstreben auseinander gesetzt haben.
Das ist das Tröstliche: Jedes noch so scheußliche Ereignis lässt sich für die Entwicklung nutzen. Turn shit into fertilizer, empfiehlt die amerikanische Startherapeutin Virginia Satir drastisch. Auf Deutsch: Nutze den Mist als Dünger. Wie? Indem wir uns selbst ändern.

  1. Gesetz: Ändern kannst nur du dich selbst
    Wir schimpfen über dickfellige Nachbarn, eine unfreundliche Bedienung im Restaurant, rücksichtslose Autofahrer. Sehr gut, sagen die Glücksforscher. Aus unseren Urteilen über andere können wir nämlich lernen, wie wir selber sind – und uns ändern. Merkwürdig: Dann ändern sich die anderen auch

    Wir wissen, was sich ändern muss. Die Leute im Nahen Osten zum Beispiel, die sollten sich endlich vertragen. Die Industrie sollte weniger Gift in die Luft blasen. Und der Nachbar könnte sein Auto so hinstellen, dass auch andere einen Parkplatz finden. In Gedanken sind wir oft dabei, andere Leute zu kritisieren. Die Bedienung im Restaurant könnte sich mal ein bisschen mehr Mühe geben. Die vorlaute Tante Irmel sollte einfach den Mund halten.

    Es ist gut, sagt die Amerikanerin Byron Katie, dass wir dauernd meckern. Das ist der Schlüssel zu Freiheit und Glück, der Weg, uns selbst zu erkennen und uns zu verändern. Byron Katie ist der Shooting-Star unter Therapeuten und Motivationstrainern. Sie macht zur praktischen Methode, was der chinesische Weise Konfuzius lehrte: Wenn du unverschämte Nachbarn bekommst, gehe in dich und frage weshalb. Oder wie vor 2000 Jahren der Sohn eines Zimmermanns aus Nazareth lehrte: Wenn du einen Splitter im Auge deines Nächsten siehst, erkenne den Balken im eigenen Auge. Oder Sokrates: Nichts ändert sich, es sei denn, du änderst dich selbst.

Ärger verwandelt sich in Selbsterkenntnis
Die eigene Veränderung, sagt Byron Katie, ist unaufwendig. Sie brauchen nur eine neue Einstellung. Der Königsweg dahin führt über die Urteile, die wir über andere fällen. Das geht jederzeit. Üben Sie sich darin, zu bemerken, wenn Sie jemanden verurteilen oder kritisieren, rät Katie. Etwa, wenn Sie beim Anstehen im Supermarkt genervt sind und denken, die Person vor Ihnen sei rücksichtslos. Kehren Sie das Urteil um. Fragen Sie sich: Trifft das auch auf mich zu? Bin ich rücksichtslos gegenüber dieser Person?

Diese schlichte Methode der Umkehrung hat einen erstaunlichen Effekt. Zunächst nimmt sie den Stress aus der Situation. Sie verwandelt Ärger in ein Werkzeug der Erkenntnis. Und sie lenkt unsere Aufmerksamkeit auf uns selbst. Byron Katie: Die natürliche Folge ist Vergebung. Wir vergeben dem anderen, dass er so ist, weil wir diesen Zug in uns selbst entdecken. Und wir vergeben uns selbst. Das ist der einzige Weg zu Toleranz und Freiheit.

Die Angelegenheiten anderer Leute
Jemandem die Schuld zu geben oder ihn zu verurteilen nimmt uns die Möglichkeit der Veränderung. Wir bleiben befangen im Groll über äußere Verhältnisse. Die Verhältnisse, die Eltern oder andere verantwortlich zu machen bedeutet immer: Wir kümmern uns nicht um uns selbst. Das raubt uns Kraft. Byron Katie: Es gibt im Universum nur drei Arten von Angelegenheiten: meine, Ihre und Gottes Angelegenheiten. Es ist sehr einfach: Wessen Angelegenheit ist es, dass ein Erdbeben stattfindet? Gottes Angelegenheit. Wessen Angelegenheit ist es, dass Ihr Nachbar einen scheußlichen Vorgarten hat? Die Ihres Nachbarn. Wessen Angelegenheit ist es, dass Sie ärgerlich sind auf diesen Nachbarn? Ihre Angelegenheit. Und nur Ihre Angelegenheit können Sie ändern.
Gedanklich beschäftigen wir uns ständig mit den Angelegenheiten anderer. Zum Beispiel mit denen unseres Partners. Er schenkt uns vielleicht nicht die Aufmerksamkeit, die wir wünschen. Kehren Sie das Urteil um, ermuntert uns die Amerikanerin. Manchmal gibt es mehrere Umkehrungen, und jede einzelne ist meistens wahrer als das, was wir zuerst gedacht haben. Aus Er sollte mich verstehen wird Ich sollte mich verstehen und Ich sollte ihn verstehen. Das Umkehren der Kritik an anderen ist der Schlüssel zur Selbstveränderung. Viel mehr als das müssen wir nicht tun. Die Veränderung, lehrt Byron Katie, geschieht dann von selbst, ganz leise, aber unausweichlich. Bei uns selbst. Und erstaunlicherweise dann auch bei den anderen.

  1. Gesetz: Alles ist eine Übung
    Viele Menschen glauben, sie hätten ein besseres Leben, wenn sie Problemen aus dem Weg gingen. Antike Philosophen und moderne Forscher aber wissen: Nur wer lernt, sich der Erfahrung des Leids zu öffnen, kann es überwinden

    Es gibt im Leben keine schlechten Erfahrungen, lautet ein indianisches Sprichwort. Es gibt nur gute Erfahrungen. Und Lernerfahrungen. Klingt richtig. Obgleich wir auf manche Lernerfahrung gern verzichten würden. Das Leben ist eine Schule, sagte der chinesische Meister Konfuzius. Eine Schule, ja, vermutlich. Aber ist das so schön? Und was sollen wir lernen? Du kannst nur lernen, dass du das, was du suchst, schon selber bist, sprach Sokrates. Du hast es nur vergessen. Alles Lernen, meinte der weise Grieche, sei Erinnern an etwas, das längst da sei und nur auf Entdeckung warte. Alles Lernen sei das Wegräumen von Ballast, bis so etwas übrig bleibe wie eine leuchtende innere Stille. Sokrates: Bis du merkst, dass du selbst der Ursprung von Frieden und Liebe bist.
    Hört sich gut an. Aber stimmt es auch? Ja, meint der amerikanische Glücksforscher David Lykken. Der Psychologieprofessor von der University of Minnesota hat die hehren Worte experimentell überprüft. Und zwar im Krankenhaus. Es gibt Leute, staunte der Experte, die mit bitteren Prognosen im Rollstuhl sitzen und höchst vergnügt sind. Es gibt Patienten mit schweren Krankheiten, von deren glücklicher Ausstrahlung die ganze Station profitiert. Und es gibt eine Freude, die unabhängig ist von äußeren Bedingungen.

Geld bringt kein Glück
Wie kommen wir ran an diese Freude? Offenbar nicht, indem wir den Jackpot knacken. Das ist klar seit der berühmten Studie der britischen Warwick University an Lottogewinnern. Die Mehrzahl der befragten Glückspilze war nach kurzer Euphorie in Trübsinn versunken; drei Jahre nach dem großen Los überstieg die Zahl der Depressiven unter ihnen bei weitem den Durchschnitt der Bevölkerung. Untersuchungsleiter Professor Andrew Oswald: Wer viel Geld bekommt, lebt nur dieselben alten Muster in einer luxuriösen Umgebung aus. Dazu kommt die tiefe Enttäuschung, dass die Erfüllung materieller Wünsche weder Erleichterung noch Frieden zur Folge hat, ja nicht einmal das Gefühl von Sicherheit.

Darin stimmen die Glücksforscher überein: Komfort und Reichtum bringen es nicht. Ruhm ebenfalls nicht. Glück hat nichts mit Alter, Geschlecht und Herkunft zu tun. Es hängt nicht von Intelligenz oder Bildung ab, nicht von körperlichen Voraussetzungen, nicht von großen Ereignissen im Leben, sagt Professor Lykken. Glück ist die Erfahrung, dass wir selbst die Quelle der Freude sind. Als kleine Kinder machen wir diese Erfahrung. Aber sie ist uns noch nicht bewusst, und wir vergessen sie wieder. Dann beginnen wir, feste Vorstellungen vom Glück zu entwickeln. Und wir versuchen, die äußeren Bedingungen so zu manipulieren, dass sie unseren Vorstellungen entsprechen.
Das klappt natürlich nie perfekt. Lykken hat bemerkt: Je fester unsere Vorstellung, wie alles zu sein hat, desto unzufriedener sind wir. Und umgekehrt: je flexibler unsere Vorstellung, desto mehr Glück. Die glücklichsten Menschen sind diejenigen, die überhaupt nicht an festen Vorstellungen haften. Sondern die so weitherzig sind, dass sie alles annehmen können, wie es kommt. Genau das meinte auch ein jüdischer Rabbi namens Jesus, als er vor rund 2000 Jahren lehrte: Werdet wie die Kinder. So aufnahmebereit. So weitherzig. So ohne Urteil. So imEinklang mit dem Geschehen. Professor Lykken dazu: Alles im Leben ist eine Übung, diesen Einklang wieder zu entdecken.

Durch das Leid zum Glück
Jedes leidvolle Ereignis ist eine Aufforderung, dieses Glück freizulegen.
Leid soll zum Glück führen? Ja, sagt Professor Ed Diener von der University of Illinois. Die Glücklichen haben irgendwann aufgehört, Leid zu vermeiden. Sie haben gemerkt: Der Weg zum Glück führt nicht um das Leid herum, sondern durch das Leid hindurch. All die Unzufriedenheit, all die Empfindlichkeiten, all die Abhängigkeiten von äußeren Umständen entstehen nur durch die Weigerung, den eigenen Schmerz anzuschauen und zu durchleben. Was heißt denn das: den Schmerz anschauen und durchleben? Tun wir das nicht gezwungenermaßen sowieso? Nein, meinen die Glücksforscher, wir spüren ihn zwar, den Schmerz, aber wir wehren ihn gleich wieder ab. Das ist verständlich, doch diese Abwehr verlängert ihn. Sie schafft ein Gefühl von Sorge und Furcht. Ed Diener: Dagegen flaut jedes schmerzhafte Gefühl schnell ab, wenn wir bereit sind, es einmal vollkommen zu fühlen. Das lässt sich ohne weiteres ausprobieren. Und zwar mit jeder unwillkommenen Emotion. Der unbewusste Mensch flieht das Leid zu seinem eigenen Unglück, so bringt es der Dalai Lama auf den Punkt, der bewusste nimmt es an und verwandelt es dadurch. Glücksprofessor Diener hat das Phänomen untersucht. Wer die leidvolle Erfahrung annimmt, ist sie schon wieder los. Ed Diener: Menschen, deren glückliche Ausstrahlung uns überzeugt, haben alle diese Erfahrung gemacht.
Es geht nicht darum, dass wir uns selbst nicht bemitleiden sollen, aber, so Professor Diener, gerade das Beharren auf einer Leidensgeschichte hält uns im Leid gefangen. Wenn wir das Leiden benutzen, um uns daraus eine Identität zu schaffen, können wir uns nicht davon befreien. Schade
eigentlich. Denn wir leiden gern ein bisschen. Wir haben das Gefühl, dadurch wertvoller zu sein. Ein westliches Missverständnis, seufzt der Dalai Lama.
Westlich deshalb, weil unser analysierender Verstand Leiden so sehr liebt. Er kann es zerpflücken, wenden und betrachten, nach Ursachen forschen, über Auswege grübeln, er kann darum kreisen. Der ehrwürdige Dalai Lama: Glück dagegen ist jenseits des Verstandes. Bei einem Glückserlebnis hat der Verstand nichts mehr zu tun. Deshalb bemüht er sich, es zu beenden. Es gehört ein Stückchen Mut zum Glück. Traut euch, glücklich zu sein. Zu dieser Traute gehört es auch, Leiden ganz bewusst anzunehmen.
Nur wer dieses Gefühl vollkommen durchlebt hat, kann es hinter sich lassen, erklärt David Lykken. Und nur wer die Vergangenheit ruhen lassen kann, ist offen wie die Kinder. Der wird sich selbst als die Quelle der Freude erfahren.

  1. Gesetz: Das Glück ist jetzt
    Wer immer nur vom Glück träumt, wird ihm ein Leben lang hinterherlaufen. Wirklich glücklich ist nur, wer wie ein Kind ganz im Augenblick lebt und darin aufgeht, was er gerade tut, ohne Gedanken an gestern, ohne Sorgen für morgen. Hier lesen Sie, wie Sie sich diese Fähigkeit zurückholen

    Wann, glauben Sie, werden Sie glücklich sein? Zehntausend Amerikaner wurden im vergangenen Jahr um eine kurze Antwort gebeten. Sie sagten: Wenn ich geheiratet habe. Wenn ich in Urlaub fahre. Wenn ich richtig Geld habe. Und so weiter. Ältere sagten: Ich war glücklich, früher. Im Grunde aber, erklärt die Untersuchungsleiterin Professor Barbara Sher, gab es nur zwei Antworten. Erstens: Das Glück liegt in der Zukunft. Und zweitens: Es liegt in der Vergangenheit.
    Wir denken, irgendwann kommen wir an, und dann bleibt es so. Oder wenn das eintritt, dann werde ich glücklich sein. Wenn jenes mich nicht hindern würde, wäre ich es jetzt schon. So verstreicht das Leben. Wir ahnen, wie es in Wirklichkeit ist: Das Glück gibt es nur in der Gegenwart. Nur im Moment. Wenn wir die ersten Frühlingsvögel hören. Relaxen und Musik hören. Nach einer Bergbesteigung ins Tal sehen. Glück spüren wir immer in Augenblicken, in denen es keinen Druck gibt. In denen wir uns nicht mit Sorgen beschäftigen. In zeitlosen Momenten. In jenem selbstvergessenen Zustand, der bei voller Hingabe entsteht, zuweilen also auch bei der Arbeit. Barbara Sher: In solchen Momenten schweigen die Gedanken. Wir sind einfach nur da. Erleben zugleich Fülle und Stille. Es gibt keine Zeit.

Das Jetzt bewusst erleben
Gewöhnlich beschäftigen wir uns in Gedanken entweder mit Vergangenem (der Nachbar hat heute nicht gegrüßt; das war ein merkwürdiges Telefongespräch; der letzte Urlaub war schön). Oder wir beschäftigen uns hoffend und sorgend mit der Zukunft (morgen muss ich früh losfahren, hoffentlich gibt es keinen Stau). Mit unserem Bewusstsein sind wir fast nie in der Gegenwart. Kleine Kinder sind das noch, denn sie vergessen schnell und machen sich über die Zukunft kaum Sorgen. Deshalb sind ihre Erfahrungen intensiver, nicht überlagert von Gedanken. Deshalb der spätere Eindruck: Damals waren die Eindrücke frisch und leuchtend. Stimmt. Doch diese Art des Erlebens, sagt der Glücksforscher Eckhart Tolle, ist jederzeit wieder herstellbar. Tolle, der in Kanada an der University of Vancouver lehrt: Schon wenn Sie Ihrem Tun mehr Aufmerksamkeit geben als dem gewünschten Ergebnis, kommen Sie in die Gegenwart. Wenn Sie das Geschirr spülen, spülen Sie das Geschirr, und denken Sie an nichts anderes. Gerade bei den einfachsten Dingen des täglichen Lebens können Sie üben, völlig präsent zu sein. Vermeiden Sie, in Gedanken woanders zu sein, als Sie gerade sind. Wer so den Augenblick annehmen kann, haben die Forscher herausgefunden, der erlebt Freude und Leichtigkeit, ganz egal was er tut und wo er ist. Der ist nicht mehr davon abhängig, dass alles auf eine bestimmte Art und Weise läuft. Tolle: Falls Sie sich jemals in einer Notsituation auf Leben und Tod befunden haben, wissen Sie, dass es da kein Problem gab. Die Gedanken hielten an. Sie waren vollkommen gegenwärtig im Jetzt, und eine viel größere Kraft übernahm die Führung.

Den Augenblick annehmen
Wer so den Augenblick annehmen kann, haben die Forscher herausgefunden, der erlebt Freude und Leichtigkeit, ganz egal was er tut und wo er ist. Der ist nicht mehr davon abhängig, dass alles auf eine bestimmte Art und Weise läuft.

Tolle: Falls Sie sich jemals in einer Notsituation auf Leben und Tod befunden haben, wissen Sie, dass es da kein Problem gab. Die Gedanken hielten an. Sie waren vollkommen gegenwärtig im Jetzt, und eine viel größere Kraft übernahm die Führung. Das, meint der Forscher, lässt sich auch ohne Notsituation wieder erlernen. Je mehr Sie üben, im Augenblick zu leben, desto deutlicher merken Sie, dass Sie sich auf diese größere Kraft verlassen können. Sie werden immer mehr Lichtblicke und immer mehr Frieden erleben. Und das ist Ihre wahre Natur, die nur normalerweise von Gedanken überdeckt ist. Üben Sie es. Probieren Sie es aus. Sie wollen wissen, wann? Sie ahnen die Antwort schon: hier und jetzt.

 

Quelle: F?R SIE 09.1981

 
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